Einband: Blindgeprägter Schweinslederband aus der Zeit über Holzdeckeln und mit 2 intakten Schließen. Folio, Größe: 32 x 21,5 cm.
Umfang: 10 Blätter, 699 Seiten. Mit Titelbordüre und 60 (teils kleinformatigen) reizenden Textholzschnitten und außerdem geschnittenen Initialen und Vignetten.
Druckort: München, Henricus, 1610.
Zustand: Einband etwas berieben; Rücken mit Titelschild und Signaturnummer von alter Hand; Bibliotheksstempel; innen vereinzelt etwas fleckig bzw. etwas fingerfleckig; 3 Blätter mit kleinem Eckausriss am breiten weißen Rand; kleinere Altersspuren; insgesamt jedoch ein gutes Exemplar..
SCHERER, Georg: Jesuitenpater und Prediger, 3.11.1540 in Schwaz im Unterinntal, 26.11.1605 in Linz a.d.D. - Sch. stammte aus einer Nordtiroler Familie mit 7 Kindern. Die Familie war sehr arm, aber ihre Gläubigkeit schuf die Basis für das spätere Ordensleben von Sch. 1559 trat er mit neun anderen jungen Männern ins Wiener Kollegium der Gesellschaft Jesu ein. Bald wurde er Hauptprediger und das Volk eilte zu seinen Morgenpredigten an jedem Sonntag. Er trat gegen alles Böse auf und behandelte vorab die Häresien "mit großer Würde und Autorität." Sehr wichtig war seine Tätigkeit als Hofprediger an der Hofburgkapelle zu Wien. Immer wieder hatte er die Erzherzöge Ernst, Matthias und Maximilian als Zuhörer. Dadurch trug Sch. sehr zur Festigung und Verteidigung des Katholizismus in den österreichischen Landen bei. Im Jahre 1580 machte er sich in seinen Predigten an die Widerlegung der Augsburger Konfession. Darüber entstanden wahre Tumulte und schließlich wurde ihm von höchster Stelle aufgetragen, über dieses Thema "unter einer anderen Form" zu handeln. Aus seinen gedruckten Kanzelreden erfahren wir, wie er selbst gegen Juden und Moslems polemisierte. Als Leiter des Kollegs in Wien hatte er eine weniger glückliche Hand, was ihm viel Feindschaften eingetragen hat. Seine Vorstellungen von Teufelsaustreibungen und Hexenwahn waren übertrieben, ja z. T. sogar direkt gefährlich. Zugleich aber gewann er viele Menschen zum katholischen Glauben zurück, der berühmteste unter ihnen war Melchior Klesl, der berühmte spätere Oberhirte in Wien. - Sch. machte sich auch einen Namen als Unterweiser und Berater von Predigern. Alles in allem, er war voll "ein Prediger wider die Zeit", ein typischer Vertreter der Kontroverspredigt und ein Vorläufer des ebenso berühmten Augustinerpaters Abraham a Sancta Clara. - Franz Loidl bemerkt über ihn: "Sein reiches Schrifttum zeigt heute noch gut, worum es in jener so leidenschaftlichen und befangenen Periode des Geisteslebens von der Mitte des l6. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ging und wie die Gegensätze aufeinander prallten" (In: Geschichte des Erzbistums Wien... S. 64). Im Jahre 1600 wurde Sch. nach Linz a.d.D. berufen, wo der katholische Glaube nur mehr ganz vereinzelt lebte. 1605, nach anstrengender Tätigkeit starb Sch. an einem Schlaganfall, der ihn auf der Kanzel des alten Doms zu Linz ereilte. - Josef Wodka nennt Sch. den "bedeutendsten Jesuiten in Österreich neben Petrus Canisius" (In: Kirche in Österreich... S. 209). Seine Grabstätte fand Sch. im heutigen alten Dom in Linz direkt unter der Kanzel, von der aus er sooft gepredigt hatte. (Quelle: Bautz: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXII (2003), Spalten 1213-1215 Autor: Ekkart Sauser).
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